"Wort zum Sonntag"-Format auf Instagram

Die Pandemie hat die Social Media Arbeit im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde vor große Herausforderungen gestellt. Etablierte Formate haben von heute auf morgen nicht mehr funktioniert. Ein neues Video-Format auf Basis von dem, was schon da ist, war die Lösung.

Der Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde umfasst rund 30 Gemeinden, die sich zwischen Schwansen im Nordosten und Wacken im Südwesten verteilen. Im Kirchenkreis ist ein Team von drei Mitarbeiter*innen für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich – da alle in Teilzeit arbeiten, sind kluge Kommunikationsideen und effiziente Umsetzungsansätze angesagt.

Helge, Du bist in Eurem Team für Social Media verantwortlich. Was hat sich während der Pandemie verändert?

Als Kirchenkreis haben wir vor März 2020 unsere Kanäle vorrangig mit Inhalten aus unseren Gemeinden, Diensten und Werken bespielt. Wir haben von Veranstaltungen, Begrüßungen und Verabschiedungen berichtet. Durch die Pandemie ist das alles weggefallen.

Auf Facebook hattet Ihr vor der Pandemie eine längere Serie.

Das ist richtig. Ich experimentiere gerne mit Text und Bildformaten und hatte ein visuelles Terminformat entwickelt, das über ein Jahr lang gut gelaufen ist: Dabei habe ich einen Wochenspruch auf das Bild einer Kirche gesetzt und auf anstehende Gottesdienste hingewiesen. Wie in diesem Fall möchte ich möglichst nicht mit Datenbankmaterial arbeiten, sondern mit Fotos aus unserem Kirchenkreis. Durch die Pandemie fielen gleich zu Beginn die Gottesdienste und damit auch die Serie weg. Außerdem waren wir nicht mehr im Kirchenkreis unterwegs und hatten so weniger Content als vorher.

Wie bist Du damit umgegangen?

Zunächst haben wir uns mit Bildern und kleinen Texten beholfen. Zum Beispiel für Ostern. Ich wollte aber auch schon immer ein Videoformat für Instagram entwickeln. Das war der Moment, diesen Gedanken wieder aufzugreifen und umzusetzen.

Schneller gesagt als getan, oder?

Nein, denn ich habe mich an dem orientiert, was schon da ist. Wir haben in unserem Kirchenkreis drei Zeitungen, in denen unsere Pastor*innen aber auch Vikar*nnen, Prädikant*innen und Diakon*innen regelmäßig für die Rubrik „Wort zum Sonntag“ Texte ausarbeiten. Das sind die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung in Rendsburg, die Eckernförder Zeitung (beide shz) und die Eckernförder Ausgabe der Kieler Nachrichten. Da entsteht wöchentlich ein großer Fundus an gutem Text-Content, der die Basis für das Video-Format darstellt.

Wie bist Du vorgegangen, um daraus Kurzvideos für Instagram zu produzieren?

Wir sind ein kleines Team und müssen mit unseren Ressourcen haushalten. So lade ich – oder im Falle des Urlaubs auch eine meiner Kolleginnen – die Autor*innen des Worts zum Sonntag Anfang der Woche für das kommende Wochenende ein, ihren Text Wort zum Sonntag in einem Video für Instagram aufzunehmen. Es ist natürlich keine Pflicht, sie dürfen, aber müssen das nicht machen.

InstagramFacebook

Helge Buttkereit

Referent Pressearbeit & Social Media

hat nach Studium und Volontariat lange Jahre als freier Journalist für verschiedene Medien gearbeitet, u. a. für das Hamburger Abendblatt, Deutschlandfunk und Evangelische Zeitung. Seit Dezember 2017 arbeitet er in der Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde. Dort bildet er gemeinsam mit Susanne van den Bergh und Inga Lange ein Team und ist unter anderem verantwortlich für den Arbeitsbereich Social Media.

www.kkre.de

Das heißt, die Pastor*innen nehmen die Videos selbst auf und schicken Dir dann die Datei zu?

Genauso ist es. Durch Corona konnten wir bei der Aufnahme keinen Support geben und das ließe sich auch sonst schwer abbilden, weil wir nicht genug Zeit haben, um jede*n Kolleg*in vor Ort zu supporten. Die Qualität ist unterschiedlich, aber solange man den Menschen vor der Kamera verstehen und erkennen kann, funktioniert das Format, da es vorrangig von den Inhalten und nicht von der Hochglanzverpackung lebt. Trotzdem haben mir viele Leute zurückgemeldet, das ist zu viel für mich, das schaffe ich nicht, das kann ich nicht.

Es haben aber dennoch schon einige geschafft! Wie hast Du das Wissen darüber, wie man ein Video produziert, vermittelt

Ich habe ein kurzes Lern-Video aufgenommen, wie man das Wort zum Sonntag als Video produzieren kann.

Wow, das ist super! Ich bin sicher, dass das Video auch über Euren Kirchenkreis hinaus wertvoller Content ist. Gab es noch andere Herausforderungen?

Es ist für uns wichtig, dass wir mit dem Video im Instagram-Feed bleiben, das heißt, die Videos dürfen nicht länger als 59 Sekunden sein. Die Texte für das Wort zum Sonntag in der Zeitung sind in der Regel zwischen 1300 und 1600 Zeichen lang. Für ein Video im Feed mit unter einer Minute Dauer, kann maximal ein Text mit 800 Zeichen gut gesprochen werden. Die Texte für die Zeitung müssen also hörverständlich gekürzt und gesprochen werden.

Hast Du selbst noch etwas lernen müssen?

Ich habe schon 2019 einen Kurs zur Videoproduktion mit dem Handy bei der Evangelischen Medienakademie besucht, und dann habe ich einfach ausprobiert. Wir schneiden in Adobe Premiere. Da habe ich ein Template angelegt und für meine beiden Kolleginnen ein Video-Tutorial erstellt, welche Schritte sie bei der Produktion gehen müssen, um am Ende die mp4-Datei zu exportieren.

Möchtest Du zum Abschluss noch teilen, was Du aus dem Prozess gelernt hast?

Unbedingt gerne!

  1. Wenn man eine Format-Idee hat, dann unbedingt ausprobieren!
  2. Gute Texte sind auch sprechbar (das gilt auch umgekehrt: was nicht gut sprechbar ist, sollte bearbeitet werden).
  3. Menschen nicht vor die Kamera drängen. Nur wenn Leute es auch wollen, funktioniert das Format.
  4. Wenn ich keinen Content habe, dann habe ich keinen Content.
  5. Ohne die Unterstützung von den Kolleg*innen und den Vorgesetzten geht es nicht: Scheitern muss erlaubt sein!

Danke für das Teilen Deiner Erfahrungen und tollen Umsetzungsansätze!

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