Menschen stehen um ein Lagerfeuer in der Abendsonne

Was ist Digital Storytelling?

Ein Gespräch über das Geschichten erzählen im digitalen Raum: Herangehensweise, Erfolgskriterien und Umsetzungsanforderungen mit Stefanie Zenke.

Stefanie, Du bist Journalistin, Multimedia Redakteurin beim SWR und Trainerin für Digitales Storytelling in unserem Kursprogramm. Wie würdest Du „Digital Storytelling“ einer nicht digital-affinen Person erklären?

Digital Storytelling“ bedeutet auf eine moderne Art Geschichten im Internet zu erzählen. Und sie so zu konzipieren, dass sie auf unterschiedlichen Kanälen ihre Zielgruppe finden.

Wie erklärst Du Kanäle?

Im Internet gibt es verschiedene Kommunikationsplattformen, die nennen wir Ausspielkanäle, beispielsweise Instagram und Facebook – aber auch unser ARD Mediathek ist ein solcher Kanal. Auf manchen Plattformen (auch Drittplattform genannt) wie Instagram kann jeder Mensch seinen eigenen Inhalt einstellen. Auf anderen Plattformen wie unserer ARD Mediathek stellen nur wir eigene Inhalte für unsere Nutzer*innen ein.

Was hat sich dadurch verändert?

Viele Menschen kennen es noch von früher, dass Inhalte, also auch Geschichten, von den traditionellen Medien wie Zeitungen, Fernsehen, Radio verbreitet werden. In den vergangenen Jahren haben sich zu diesen klassischen Verbreitungswegen noch andere Ausspielkanäle hinzugesellt. Vereinfacht gesagt kann heute jeder Mensch seine Geschichte selbst auf einem solchen digitalen Kanal erzählen und vermarkten.

Wie gehen die Verlage und Medienhäuser damit um?

Um die Menschen mit unseren Angeboten zu erreichen, bieten wir daher nicht nur auf unseren eigenen Plattformen Inhalte an, sondern wir sind auch auf den Drittplattformen präsent. Wir gehen sozusagen aktiv zu den Nutzer*innen.

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Stefanie Zenke

Journalistin & Multimedia Redakteurin

arbeitet seit 2020 für den SWR und ist im Bereich Kommunikation und Public Affairs für den Onlineauftritt und Social Media zuständig. Zuvor leitete sie das Ressort Multimediale Reportage für die Gemeinschaftsredaktion der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Stuttgarter Nachrichten“. In Hamburg koordinierte sie als Chefin vom Dienst die Themen von stern.de. Stefanie Zenke studierte Jura in Tübingen, München und in Utrecht.

Warum ist das wichtig für Euch?

Als öffentlich-rechtlicher Sender hat der SWR unter anderem einen Informations-, Bildungs- und Unterhaltungsauftrag, den wir ernst nehmen. Um auch die jungen Menschen zu erreichen, müssen wir auf diesen Kanälen aktiv sein. Ein 18-Jähriger sieht so gut wie kein lineares Fernsehen mehr.

Was bedeutet das für das Programm des SWR?

Es werden neue Formate entwickelt, die auf den Drittplattformen verbreitet werden, um an die jüngere Zielgruppe zu kommen. Da spielt dann auch das digitale Storytelling eine Rolle. Wir probieren aus, auch in der Kommunikationsarbeit, wie muss eine Geschichte erzählt werden, damit sie für unsere Nutzer*innen auch in der digitalen Welt interessant ist und die Menschen unsere Angebote finden und gut finden.

Wenn Du mit der Brille Digitales Storytelling auf die beiden Disziplinen Journalismus und Public Relations blickst: Denkst Du, Digitales Storytelling muss jeweils unterschiedlich konzipiert werden?

Grundsätzlich geht es darum, eine Botschaft zu vermitteln und Menschen zu erreichen, Emotionen zu wecken – egal, ob der Inhalt eine Nachricht ist oder ob eine Dienstleistung oder ein Produkt verkauft werden soll. Die Zielgruppe steht im Fokus, sie muss definiert sein; in beiden Disziplinen.

Du sprichst die Konzeption an. Mehr denn je ist das Erreichen der Zielgruppe ein entscheidendes Merkmal eines erfolgreichen digitalen Storytelling Projekts. Welche Elemente sind Dir bei einer Konzeption besonders wichtig?

Dass man überhaupt ein Konzept hat ;-) Und dann sollte man folgende Fragen für sich beantworten:

  • Für wen mache ich das?
  • Wer ist meine Zielgruppe?
  • Welche Mittel habe ich zur Verfügung?
  • Auf welche Fähigkeiten und Kompetenzen kann ich zurückgreifen?
  • Wo liegt der Schwerpunkt der Story?
  • Was ist der rote Faden der Geschichte?
  • Wer ist mein Protagonist? Geschichten funktionieren gut über Menschen.

Wie misst Du den Erfolg eines digitalen Storytelling Projekts?

Für mich gibt es verschiedene Aspekte von Erfolg. Da sind auf der einen Seite die Zahlen, beispielsweise wie oft ein Inhalt in den verschiedenen Kanälen geklickt, geliked, geteilt und kommentiert wurde, die Verweildauer auf einer bestimmten Seite, etc. Alles, womit ich also die Reichweite messen kann. Und natürlich muss man in den Austausch gehen, wenn ein aufwendig produzierter Inhalt wenig Reichweite hat. Daneben gibt es für mich aber noch andere Faktoren, beispielsweise Feedback aus der Branche, oder auch Medienpreise können eine schöne Bestätigung für ein Team sein. Und was man nie unterschätzen darf, das ist das Feedback im eigenen Haus!

Geschichten im digitalen Raum erzählen hat auch die Anforderungen an Redaktionen und PR-Teams verändert. Welche Punkte sollte ein Team bei der Umsetzung von digitalen Geschichten beachten?

Meiner Erfahrung nach tut es dem Projekt gut,

  1. Wenn jemand den Hut auf hat, er/sie die Fäden in der Hand hält für die Komposition der Geschichte
  2. Wenn das Team flexibel ist, es auch zulässt, gegebenenfalls inhaltlich umzusteuern. Manchmal bekommt man den Kern der Geschichte, mit dem Material das man hat, nicht gefasst, dann ist es klug, den Dreh der Geschichte anzupassen. Kill your darlings, auch von schönen Inhalten muss man sich ab und an verabschieden, weil sie nicht zur Geschichte passen.  Das ist ein Team wertvoll, weil viele mit drauf schauen und mitreden.
  3. Selbstkritisch sein und das im Team gut besprechen. Denn jede*r hat eine Aufgabe, im gemeinschaftlichen Umsetzen. Digitale Geschichten sind Teamarbeit!

Vielen Dank, dass Du Deine Erfahrung hier teilst! Im November gibst Du ein Grundlagenkurs Konzeption Digitales Storytelling in unserem Kursprogramm. Wer dabei sein will, kann sich hier am direkt anmelden ;-)

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