Bildungsreferentin für das Klimaschutzportal Malina Hasler

Digitale Beteiligung im Wissensmanagement

Fünf Tipps zur Steigerung digitaler Beteiligung von Malina Hasler, Bildungsreferentin. Sie beschäftigt sich mit der Fragestellung, welche Faktoren digitale Beteiligung positiv beeinflussen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was Menschen dazu bewegt, ihr Wissen zu teilen und welche Formen von Beteiligung sinnvoll sind.

Wissen zu teilen, kann nicht angeordnet werden. Was bewegt Menschen dazu, ihr Wissen zu teilen?

Wissen ist eine der wenigen, vielleicht sogar die einzige, Ressource, die mehr wird, wenn man sie teilt. Neben den Strukturen, die das Unternehmen zur Wissensteilung zur Verfügung stellt, müssen natürlich auch die Mitarbeitenden dazu motiviert werden. Zum einen sollten Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, und zum anderen sollten Anreize geschaffen werden. Ein Hindernis könnte beispielsweise mangelndes Vertrauen sein: Welche Absicht haben die Empfänger*innen meines Wissens? Können sich durch die Weitergabe persönliche Nachteile für mich ergeben, wie z.B. dass ich meine Alleinstellung im Unternehmen verliere oder ersetzbar werde? Eine positive organisatorische Kultur, in der sowohl Vertrauen als auch Kollaboration und Wissensaustausch gefördert werden, kann somit die Wissensweitergabe stark begünstigen.

Die soziale Identitätstheorie geht davon aus, dass Menschen ein Bedürfnis haben, sich mit sozialen Gruppen zu identifizieren. Auf unser Thema bezogen bedeutet das, dass Mitarbeitende dazu neigen, ihr Wissen zu teilen, wenn sie sich mit dem Unternehmen identifizieren und somit gerne an dessen Erfolg beteiligt sind. Ebenfalls ist es motivierend, wenn die Mitarbeitenden wissen, dass ihr Beitrag geschätzt wird und wenn sie auch selbst von dem Wissen anderer profitieren können. Dies bestätigt auch die Theorie der Reziprozität, die besagt, dass Menschen dazu neigen, freundliche Handlungen zu erwidern.

Wichtig für einen gelungenen Wissensaustausch ist also in erster Linie das interne Miteinander. Es können jedoch auch aktiv Anreizsysteme geschaffen werden: Wenn sichtbar gemacht wird, wer sein Wissen teilt, kann die Person Anerkennung erhalten oder es können berufliche Entwicklungsmöglichkeiten entstehen. Auf einer digitalen Plattform kann z.B. eine Möglichkeit sein, ein Belohnungssystem zu schaffen. Soziale Plattformen arbeiten hier teilweise mit Like-Buttons. Dies kann jedoch auch eine Angst vor sozialer Zurückweisung mit sich bringen. Eine unverfänglichere Möglichkeit wäre eine Sammlung an virtuellen Medaillen für verschiedene Ziele, wie z.B. die Veröffentlichung eines Beitrags, die dann im eigenen Benutzerkonto gesammelt werden können und auch von Kolleg*innen und Vorgesetzen eingesehen werden können.

Gibt es einen Unterschied zwischen analogen und digitalen Settings?

Es gibt einige Unterschiede, aber letztendlich handelt es sich um eine Frage des Geschmacks und der Zielgruppe. Nehmen wir beispielsweise den Punkt „Barrierefreiheit“. Inklusive Räume zu schaffen ist in beiden Settings nicht einfach, es gibt immer das Risiko Menschen auszuschließen. Analoge Settings haben den Nachteil, dass viele Orte nicht für alle Menschen leicht zu erreichen sind, beispielsweise wenn Stufen oder enge Türen involviert sind. Das ist in digitalen Räumen leichter und bringt den zusätzlichen Vorteil mit sich, dass An- und Abreise eingespart werden können. Hierbei ergeben sich jedoch andere Barrieren, beispielsweise die Frage, ob alle Beteiligten Zugang zu funktionierender Hardware und einer stabilen Internetverbindung haben. Gerade wenn Online-Tools genutzt werden sollen, genügt ein Smartphone oft nicht, und die Beteiligten benötigen einen Laptop, um teilnehmen zu können. Ebenfalls können andere technologische Barrieren und Sicherheitsbedenken auftreten. In analogen Settings ist die Wissensteilung oft persönlicher; das Vertrauen kann gestärkt werden und meiner Erfahrung nach haben die Teilnehmer*innen oft den Eindruck, einander besser und informeller kennenzulernen. An digitalen Settings gefällt mir, dass die Wissensteilung orts- und teilweise auch zeitunabhängig stattfinden kann. Es gibt viele verschiedene Kanäle, sodass sich für die meisten Menschen etwas Passendes finden lässt – eine introvertierte Person mag vielleicht lieber einen Online-Beitrag schreiben, anstatt ihr Wissen mündlich zu teilen. Außerdem gibt es eine große Vielfalt an kollaborativen Werkzeugen, mit denen das Wissen nicht nur ansprechend geteilt und aufbereitet, sondern gleichzeitig gut festgehalten und dokumentiert werden kann.

Malina Hasler

Bildungsreferentin

Malina Hasler war Bildungsreferentin für das digitale Klimaschutzportal der Nordkirche. Das Portal bündelt Informationen und Aktivitäten rund um den Klimaschutz und soll künftig zentrale Kommunikationsplattform für alle Entscheidungsträger*innen und Beteiligte im Klimaschutz sein. Sie ist spezialisiert auf die Bereiche Nachhaltigkeitskommunikation, Bildung, Projektmanagement und Strategisches Management.

Welche Formen der digitalen Beteiligung gibt es?

Es gibt so viele Möglichkeiten der digitalen Beteiligung und es werden fortlaufend neue entwickelt. Im Unternehmenskontext sind besonders virtuelle Meetings oder Webinare sehr beliebt. Auch kollaborative Plattformen, auf denen Dokumente oder Kanbanboards gleichzeitig und in Echtzeit bearbeitet werden können, unterstützen das gemeinsame Arbeiten im digitalen Raum sehr und können gute Orte sein, um Wissen zu teilen und zu dokumentieren.

Eine weitere Form sind Online-Foren. Diese können auch an die unternehmensinterne Website angegliedert werden und einen partizipativen Austausch ermöglichen, indem die Mitarbeitenden ihr Fachwissen teilen oder sich gegenseitig Fragen stellen und Antworten liefern können. Besonders spannend finde ich auch die Form der Gamification, bei der Nutzer*innen durch spielerische Elemente motiviert werden, sich aktiv zu beteiligen. Das können z.B. Punktesysteme, Quizze, Ranglisten oder kleine Auszeichnungen wie die eben genannten virtuellen Medaillen sein.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich natürlich die sozialen Medien, die es ermöglichen, in Echtzeit Inhalte zu teilen, zu kommentieren und zu bewerten.

”Die gleichen Mechanismen, die in Spielen eingesetzt werden, können auch im Wissensmanagement den Spaßfaktor erhöhen“

Malina Hasler
Bildungsreferentin

Du hast ja bereits das Thema Gamification aufgeworfen. Welche Rolle spielen Incentivierung, Gamification und andere Elemente?

Eine bedeutende! Solche Ansätze können für eine positive Beteiligungsumgebung sorgen und die Motivation steigern. Bei der Incentivierung geht es darum, Anreize zu schaffen. Diese können materiell sein, wie Preise oder finanzielle Belohnungen, oder immateriell, wie Anerkennung und Bestätigung. Virtuelle Bestätigungen, wie positive Bewertungen von anderen Nutzer*innen, zeigen sich in den sozialen Medien als ein treibender Motivationsfaktor mit einem gewissen Suchtpotenzial. Es können auch selbstgesteuerte virtuelle Belohnungen für das Erreichen bestimmter Meilensteine zur Verfügung gestellt werden, die den Nutzer*innen das Gefühl geben, auf etwas hinzuarbeiten.

Viele Menschen sammeln gerne virtuelle Preise, weshalb viele Spiele Trophäen für bestimmte Ziele in Aussicht stellen. Reizvoll ist auch, zusätzlich mit versteckten Trophäen zu arbeiten, über die die Nutzer*innen eher zufällig stolpern, da diese die Neugier wecken, was noch entdeckt und erreicht werden kann. Die gleichen Mechanismen, die auch in Spielen genutzt werden, können auch im Wissensmanagement den Spaßfaktor erhöhen. Zum Beispiel können kleine Wettbewerbe entstehen, indem Punkte oder Preise erreicht werden können.

Ein ähnliches Prinzip ist die Möglichkeit, dass die Nutzenden durch verschiedene Stufen aufsteigen können und dementsprechende Titel oder „Level“ erhalten, was ein Gefühl von Entwicklung mit sich bringen kann und die Langzeitbeteiligung steigert.

Nach welchen Kriterien setzt man diese ein?

Wie bei den meisten strategischen Entscheidungen muss man die üblichen Kriterien wie Zielsetzung, Zielgruppe und Ressourcen beachten. Welches Ziel habe ich mit dem Bildungsformat: Sollen Informationen gesammelt, Probleme gelöst, kreative Ideen entwickelt oder eine Gemeinschaft aufgebaut werden? Wer ist meine Zielgruppe, und wie medienaffin ist sie? Welche Interessen hat sie, und welche Anreize können funktionieren? Geht es mir um Artikel von Expert*innen, denen vielleicht besonders die eigene Anerkennung in ihrer Expertise wichtig ist, oder wünsche ich mir eine kreative Ideensammlung, die ruhig einen Wettbewerbscharakter haben kann?

Was ist überhaupt realistisch mit den zeitlichen, technischen oder finanziellen Ressourcen, die mir oder den Anwender*innen zur Verfügung stehen, umsetzbar? Darüber hinaus ist Ethik ein relevanter Faktor: Fühlen sich alle mit der gewählten Form wohl, oder kann diese auch zu Bloßstellungen und Ausgrenzungen führen? Wird der Datenschutz beachtet? Trägt die gewählte Form zu einem positiven Gemeinschaftsgefühl bei oder fördert sie Konkurrenzdenken zu stark, beispielsweise weil ein Wettbewerbscharakter mit finanziellen Anreizen gewählt wurde?

Wenn das Bildungsprojekt auf eine längere Dauer ausgelegt ist, ist ebenfalls wichtig, dass auch die Incentivierung langfristige Anreize bietet und nicht innerhalb der ersten Woche alle Ziele erreicht wurden und danach das Interesse einbricht. Und das wohl wichtigste Kriterium: Was sagen die Nutzer*innen dazu? Haben sie Wünsche oder Feedback? Hier sollte man sich seine Flexibilität bewahren und bei Bedarf die gewählte Form anpassen.

Welche fünf Tipps gibst Du Kolleg*innen, die die digitale Beteiligung ihrer Zielgruppe erhöhen wollen?

  1. Entwickelt eine maßgeschneiderte Strategie: Erstellt Personas und überlegt, welche Form am besten zu den Bedürfnissen eurer Zielgruppe passt. Setzt euch auch ein klar definiertes Ziel. Orientiert euch dabei an den SMART-Kriterien: spezifisch (specific), messbar (measurable), erreichbar (achievable), relevant (relevant) und zeitgebunden (time-bound).
  2. Setzt auf Gamification: Seid mutig und kreativ. Probiert etwas Unübliches aus, um nicht nur Wissen, sondern auch Spaß zu vermitteln. Dies kann nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für ganze Gruppen erfolgen, um den Zusammenhalt und das Engagement zu stärken.
  3. Nutzt die Kraft des Storytellings: Geschichten können inspirieren und zum Mitmachen anregen. Überlegt, ob eure Strategie einen persönlichen Touch vertragen kann.
  4. Experimentiert und holt Feedback ein: Niemand weiß alles von Anfang an. Gesteht euch Fehler ein und lernt daraus. Setzt Ideen niedrigschwellig um, evaluiert die Ergebnisse und vergesst nicht, eure Zielgruppe einzubeziehen. Fragt nach, was gut funktioniert und was verbessert werden kann.
  5. Überwindet den Anfangswiderstand: Sprecht einige Menschen direkt an und überzeugt sie, sich zu beteiligen. Oft möchte niemand der Erste sein, aber sobald Beteiligung vorhanden und sichtbar ist, fällt es vielen leichter, nachzuziehen und ebenfalls mitzumachen.

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