Moderator Yared DibabaAnnika Fußwinkel

Gute Moderation mit Yared Dibaba

Yared Dibaba ist Musiker, Entertainer, Schauspieler und ein gefragter Moderator. Im Interview erzählt er, was für ihn eine gute Moderation ausmacht und wie er sich auf Moderationen vorbereitet. Außerdem sprechen wir über sein neues Tätigkeitsfeld als Diversity-Coach.

Dein Arbeitsspektrum ist vielseitig: Du bist Musiker, Entertainer, Schauspieler, Diversity-Coach und Du bist Moderator. Wie kam es zu dazu?

Das ergab sich tatsächlich alles. Schauspieler wollte ich schon sehr lange werden und moderieren hat mich auch sehr interessiert. Das Eine kam mit dem anderen: Ich bin zur Schauspielschule gegangen, habe Gesang gelernt und auf der Bühne für verschiedene Bands gearbeitet. Moderieren kam dann dazu. Damals habe ich für einen Internetsender gearbeitet; „Cyber Radio TV“ war ein Pioniersender, der ein Vollprogramm online gestreamt hat. Das war 1997/98. Moderation hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Dann bin ich irgendwann beim Fernsehen und beim NDR gelandet und die Plattdeutsche Sendung „Die Welt auf platt“ moderiert. Das Radio war der nächste Schritt.

Wie hast Du Dir das Wissen für die verschiedenen Tätigkeiten angeeignet?

Es war viel Learning by doing. Gerade das journalistische Handwerk habe ich durch meine Tätigkeiten, zum Beispiel beim Radio oder bei der täglichen Sendung „mein Nachmittag“ geschärft. Ich habe in der Nachrichtenredaktion gearbeitet, als ich auf Plattdeutsch Nachrichten moderiert habe. – also überall mitgemischt und geguckt. So habe ich in den letzten 20 Jahren mein Handwerk verbessert.
Eine gute Basis war tatsächlich die Schauspielschule. Dort habe ich gelernt, mit mir als Person, mit meiner Stimme zu arbeiten und mich auf Dinge vorzubereiten. Wenn Du vor der Kamera stehst, solltest Du gut sprechen,  Dich ausdrücken,  konzentrieren, in Sinnabschnitten denken und mit Menschen kommunizieren können. Das war eine gute Basis. Der Rest kam sicherlich durch die tägliche Arbeit und auch durch Trainings, Coachings, durch Auseinandersetzung mit Themen und durch persönliches Interesse dazu. Ich habe mich beispielsweise mit psychologischen Themen befasst, ohne Psychologie studiert zu haben.

Gibt es etwas, was alles verbindet?

Die Liebe zum Gespräch mit Menschen, die Lust sich mit Menschen zu unterhalten. Ich habe mich immer für persönliche Geschichten und Erlebnisse von Menschen interessiert. Biografien interessieren mich: Wie kriegen Menschen ihr Leben auf die Reihe? Wie gehen sie mit Tiefschlägen um? Wie gehen sie mit Erfolgen um? Ich glaube, die wenigsten Menschen haben eine geradlinige Biografie, auch wenn es von außen so aussieht. Es gibt Konflikte, Höhen und Tiefen.

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Yared Dibaba

Moderator, Schauspieler, Diversity-Coach

Geboren in Oromia, Äthiopien, aufgewachsen im Oldenburger Land und sesshaft in Hamburg. Er spricht Plattdeutsch so fließend wie eine zweite Muttersprache und beschreibt es so: „Die Sprache ist platt, aber das Herz umso runder.“

https://yared.de/

Wir wollen heute über Moderation sprechen. Was zeichnet eine gute Moderation für Dich aus?

Es gibt unterschiedliche Moderationen. Es gibt die Präsentation von Nachrichten, den Talk, das Magazin, die Radiomoderation, Fernsehmoderation und die Bühnenmoderation. Das sind unterschiedliche Disziplinen. Nur weil man das eine kann, heißt das nicht, dass man das andere beherrscht. Aber es gibt natürlich Elemente, die das miteinander verbinden. Am Ende geht es darum, bewusst nur das zu tun, was wir in diesem Moment machen und dabei glaubwürdig und authentisch sind: Dass wir wissen, wie wichtig Worte sind. Dass wir auch das ausdrücken, was wir denken und denken, was wir sagen. Eine gute Moderation erreicht Menschen. Dann passiert etwas. Entweder sie bringt uns zum Lachen, zum Nachdenken, zum Weinen, ärgert uns – was auch immer, aber da muss für Leute etwas Emotionales drin sein. Bei den Nachrichten ist das natürlich was anderes. Da ist es gut, wenn es so b wie möglich ist. Sie berühren uns trotzdem, weil der Sachverhalt dahinter etwas mit uns macht. Und eine gute Moderation strukturiert.

Wie bereitest Du Dich auf so eine Veranstaltungsmoderation vor, wenn verschiedene Menschen sich mit Vor- und Beiträgen einbringen und Du als Moderator alles im Blick behalten muss?

Ich lasse mich inhaltlich darauf ein. Ich glaube, wir sollten eine Verbindung zu dem Thema haben und wir sollten Lust auf das Thema haben. Wenn wir uns mit dem Thema nicht identifizieren, sollten wir es nicht machen. Das ist auch eine emotionale Frage, mit welchem Gefühl gehe ich daran?
Dann sammeln wir Informationen zu den Inhalten, planen den Ablauf und stimmen uns mit den Veranstaltern und Veranstalterinnen ab: Was sind die Prioritäten? Wie ist die Tonalität? Bei einer Veranstaltungsmoderation sollte auch immer etwas Humorvolles dabei sein.

Wenn Du Dein ganzes Moderationswissen in 3 konkrete Tipps runterbrechen müsstest, welche wären das?

  1. Gute Vorbereitung ist wichtig.
    Wenn man gut vorbereitet ist, kann man auch gut improvisieren. Rudi Carrell hat einmal gesagt, „man kann nur das aus dem Ärmel schütteln, was man auch reingesteckt hat“.
  2. Proben!
    Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Probe. Entweder man spielt den Ablauf durch, oder man probt gezielt die neuralgischen Punkte, zum Beispiel jemand auf die Bühne bitten.
  3. Sich mit dem Raum vertraut machen
    Auf der Bühne einen Soundcheck machen: Wie hört sich das an?
    Sich mit dem Raum, oder der Bühne vertraut machen: Sich auf die Bühne stellen und runtergucken. Wie fühlt sich der Raum an? Das ist für mich immer sehr hilfreich.

Wenn Du eine digitale Veranstaltung moderierst, wie probst Du dann?

Da kann man natürlich auch proben. Mit der Kamera den Hintergrund und den Sound checken, in die Kamera sprechen. Wie wirke ich? Das Licht einstellen. Vielleicht pudern und dann natürlich den Ablauf durchgehen. Jemanden dazuholen, Inhalte teilen: Wie moderiere ich das an? Wann teile ich eine Präsentation? Ist mein Desktop sauber?

Es kann passieren, dass Gäste nicht auf die inhaltlichen Prioritäten eingehen und in ihren Beiträgen abschweifen. Wie hältst Du den roten Faden im Blick?

Als erstes müssen wir die Zeit im Auge behalten. Manchmal hilft es, wenn noch jemand dabei ist, der auf die Zeit achtet. Das hilft sowohl auf der Bühne, als auch auf einem Online Event. Während wir auf die Zeit achten, müssen wir auch den Inhalt im Blick behalten. Wenn jemand abschweift und ein anderes Fass aufmacht, ist es wichtig, die Leute wieder zurückzuholen. Das kann man knallhart oder auch charmant machen. Je nachdem, wie gerade die Atmosphäre ist. Manchmal muss man Menschen auch unterbrechen. Das ist nochmal eine Kunst für sich. Wann kann ich unterbrechen? Dafür muss man genau zuhören. Die Moderatorin, der Moderator muss die Zügel in der Hand halten. Man kann auch mal abschweifen und andere Themen aufmachen, aber wir müssen versuchen, so weit wie möglich in Kontrolle zu sein.

Da macht sich wahrscheinlich ein reicher Erfahrungsschatz bemerkbar, oder?

Es gelingt nicht immer. Es kann auch mal passieren, dass etwas außer Kontrolle gerät, dass es Störungen gibt. Eine Person empört sich oder es entsteht ein Konflikt oder jemand bricht das Gespräch ab. Dann muss man gucken, wie man mit dieser Störung umgeht und  wie man wieder reinkommt.

Du bist neben Moderator relativ neu auch Diversity-Coach. Was genau machst Du als Diversity-Coach?

Als Diversity-Trainer ermutige ich Menschen sich auf Vielfalt einzulassen. Ich sensibilisiere sie dafür, wie vielfältig wir in unserer Gesellschaft sind und versuche ihnen Tools an die Hand zu geben, wie man mit Vielfalt umgehen kann. Vielfalt hat viele Vorteile. Vielfalt ist aber auch herausfordernd. Wir haben unterschiedliche Geschwindigkeiten mit Vielfalt umzugehen. In der heutigen Zeit gibt es viele Menschen die sagen „ich habe gar kein Bock auf Vielfalt“. Das ist so, als würde man sagen, „ich habe gar kein Bock auf Wetter“. Vielfalt und das Wetter sind einfach da und wir müssen damit umgehen.

Wie kann ich mir ein Diversity-Training mit Dir vorstellen?

Ich möchte den Menschen Lust auf Diversität machen. Das ist ein emotionaler Zugang. Wir haben große Themenfelder wie Digitalisierung, Migration,  Globalisierung und Diversität. Die Diversität wird herausfordernder, denn es wird viel mehr sichtbar als noch vor 50 Jahren, weil mehr Menschen aus diversen Kontexten zusammen kommen. Die Frage ist, wie gehen wir damit um? Wenn wir uns auf das Thema einlassen, bekommen wir einen neuen Zugang. Dann haben wir keine Angst davor, sondern Lust darauf. Das versuche ich mit meinen Trainings zu erreichen.

Warum bist Du Diversity-Coach geworden?

Ich habe mich schon sehr lange mit dem Thema beschäftigt. Beispielsweise habe ich angefangen darüber zu schreiben, Vielfaltsthemen in meine Moderationen und in mein Bühnenprogramm einzubauen. 2021 habe ich gesagt, ich lasse mich zum Diversity-Trainer bei dem Verein „Eine Welt der Vielfalt“ ausbilden. Ich gebe Workshops, mache einen neuen Podcast und arbeite gerade an einem Bühnenprogramm. So kommen jetzt verschiedene Sachen zusammen.

Danke für das Gespräch!

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